Der Moment, in dem der Körper plötzlich wichtig wird

Hören Sie sich die KI-generierte Audioversion dieses Artikels an. (Beta)

Jonas erinnert sich genau an den Moment, in dem sein Körper aufhörte, selbstverständlich zu sein.
Es war kein Unfall, kein Zusammenbruch, kein Schock.
Nur ein schneller Herzschlag an einem gewöhnlichen Dienstagmorgen.

Er saß am Schreibtisch, trank Kaffee, beantwortete Mails. Dann dieses kurze Stolpern. Ein Schlag zu viel. Dann noch einer.
Jonas hielt inne. Lauschte. Wartete.

Für einen Moment war da etwas wie Alarm. Kein Gedanke, nur Reaktion.
Dann: nichts.

Kein Schmerz. Kein Zusammenbruch. Keine Katastrophe.

Und trotzdem blieb etwas zurück.
Nicht Furcht – denn es war nichts passiert.
Sondern Unsicherheit.

Was Jonas nicht wusste: In diesem Moment begann kein körperliches Problem, sondern ein Lernprozess im Nervensystem.

Wenn der Körper schneller ist als der Verstand

Angst entsteht nicht dort, wo wir denken.
Sie entsteht dort, wo das Gehirn bewertet, bevor wir bewusst einordnen können.

Im Zentrum dieses Prozesses steht die Amygdala – eine Struktur, die Reize blitzschnell auf mögliche Gefahr prüft. Wird etwas als potenziell bedrohlich eingestuft, aktiviert sie das autonome Nervensystem. Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin werden ausgeschüttet, Herzfrequenz und Atmung steigen, Muskeln spannen sich an.

Dieser Weg ist schnell. Sehr schnell.
Er umgeht den bewussten Verstand.

Der präfrontale Cortex, zuständig für Einordnung, Logik und Bewertung, kommt erst später ins Spiel. Das bedeutet: Der Körper reagiert oft bevor wir wissen, worauf.

In echten Gefahrensituationen ist das lebensrettend.
Bei Jonas jedoch hatte das System auf etwas reagiert, das nicht im Außen lag.

Furcht, Angst, Panik – kein Entweder-oder, sondern ein Kontinuum

Wenn ein Auto plötzlich bremst oder jemand uns anschreit, reagiert der Körper unmittelbar. Die Aktivierung ist hoch, aber zielgerichtet. Sobald die Situation vorbei ist, beruhigt sich das System wieder. Diese Reaktion nennen wir Furcht. Sie ist konkret, kurz und funktional.

Bei Jonas war keine solche Situation vorhanden.
Der Körper hatte reagiert – ohne äußeren Anlass.

Was blieb, war eine anhaltende innere Alarmbereitschaft. Gedanken wie Was war das gerade? oder Was, wenn das wieder passiert? hielten das Nervensystem aktiviert. Hier beginnt Angst. Nicht als Reaktion auf eine Gefahr, sondern auf eine Möglichkeit.

Manchmal verdichtet sich diese Angst so stark, dass sie kippt.
Das Herz rast, der Atem wird flach, der Körper fühlt sich fremd an. Der Gedanke schießt hinterher: Das ist gefährlich.
In diesem Moment erschrickt sich die Angst vor sich selbst. Das ist Panik.

Neurobiologisch betrachtet ist Panik keine neue Reaktion, sondern eine Eskalation desselben Systems. Die Amygdala feuert weiter, Stresshormone steigen, während der präfrontale Cortex zunehmend „offline“ geht. Kontrolle wird schwieriger, Wahrnehmung enger.

Entscheidend: Auch dieser Zustand ist selbstlimitierend.
Der Körper kann ihn nicht dauerhaft aufrechterhalten.

Wenn Aufmerksamkeit das System schärft

Nach diesem ersten Moment begann Jonas, sich zu beobachten.
Nicht bewusst geplant. Eher automatisch.

Er spürte sein Herz häufiger. Hörte genauer hin. Achtete auf den Atem.
Jede Wahrnehmung wurde überprüft.

Ist das normal?
Sollte ich das spüren?
Was, wenn es stärker wird?

Was hier passiert, ist neurobiologisch gut erklärbar. Aufmerksamkeit verstärkt neuronale Netzwerke. Je häufiger ein Signal überprüft wird, desto relevanter wird es für das Gehirn. Die Amygdala lernt: Das ist wichtig.
Die Schwelle für Alarm sinkt.

Ein zentraler Begriff dafür ist Angstsensitivität – die Angst vor den eigenen körperlichen Reaktionen. Sie sorgt dafür, dass nicht mehr die Situation, sondern der Körper selbst zum Auslöser wird.

Warum Wissen allein nicht reicht

Jonas verstand irgendwann, dass sein Herz gesund war.
Er wusste, dass Angst körperliche Symptome machen kann.
Und trotzdem reagierte sein Körper weiter.

Das ist kein Widerspruch, sondern Neurobiologie.

Angst lernt über Erfahrung, nicht über Einsicht.
Die Amygdala reagiert nicht auf Argumente, sondern auf wiederholte Muster. Solange der Körper erlebt, dass Alarm mit Vermeidung beantwortet wird, bleibt das System aktiv.

Das Problem ist nicht, dass wir Angst nicht verstehen.
Das Problem ist, dass Angst schneller lernt als der Verstand.

Wenn Vorsicht zur Falle wird

Die Gedanken, die folgen, wirken vernünftig.

Lieber keinen Sport heute.
Zur Sicherheit den Kaffee weglassen.
Den Puls checken.
Früh gehen.

Diese Strategien senken kurzfristig die Aktivierung. Der Körper beruhigt sich, Stresshormone sinken. Das fühlt sich wie Erleichterung an.

Doch genau hier greift das Lernsystem.
Das Gehirn speichert nicht: Ich bin sicher.
Sondern: Diese Handlung hat mich gerettet.

In der Verhaltenstherapie spricht man von Sicherheitsverhalten. Neurobiologisch verhindern sie Extinktionslernen – also das Verlernen der Angstreaktion. Der Alarm wird nie widerlegt.

Angst vor der Angst

Mit der Zeit hatte Jonas weniger Angst vor einzelnen Symptomen als vor ihrer Rückkehr.
Was, wenn es wieder passiert?
Was, wenn ich dann die Kontrolle verliere?

Diese Erwartungsangst ist oft belastender als die ursprüngliche Reaktion. Sie hält das Nervensystem in Dauerbereitschaft. Jeder kleine Reiz wird zum potenziellen Auslöser.

So wird Angst selbst zum Stressor.

Wenn Kontrolle erschöpft

Jonas’ Alltag wurde kleiner.
Nicht dramatisch. Aber enger.

Er mied Belastung. Bewegte sich weniger. Wartete.
Und war trotzdem angespannt.

Der Wendepunkt kam nicht durch Einsicht, sondern durch Erschöpfung.
So viel Kontrolle – und trotzdem keine Sicherheit.

Was der Körper neu lernen muss

Jonas begann, wieder zu joggen.
Nicht entspannt. Nicht mutig. Aber bereit.

Das Herz schlug schneller. Der Atem wurde flach. Gedanken meldeten sich.
Und er tat nichts.

Kein Pulscheck. Kein Abbruch. Kein inneres Verhandeln.

In der Verhaltenstherapie nennt man das Exposition. Bei körperbezogener Angst: interozeptive Exposition. Neurobiologisch ermöglicht sie genau das, was vorher gefehlt hat: neues Lernen.

Die Amygdala erlebt, dass Aktivierung nicht gefährlich ist.
Der präfrontale Cortex kann wieder einordnen.
Das Stresssystem fährt hoch – und wieder herunter.

Die Angst steigt. Und fällt.
Immer.

Was im Alltag unterstützt

Schlafmangel, Koffein und Bewegungsmangel verursachen keine Angst, erhöhen aber die Grundaktivierung des Nervensystems. Cortisolspiegel bleiben erhöht, die Schwelle für Alarm sinkt.

Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stimulanzien senken diese Grundspannung. Sie ersetzen keine Erfahrung, aber sie erleichtern sie.

Was am Ende bleibt

Furcht schützt uns, wenn Gefahr real ist.
Angst bereitet uns auf Möglichkeiten vor.
Panik ist eine intensive, aber vorübergehende Eskalation desselben Systems.

Was Menschen festhält, ist nicht der Körper.
Es ist der Versuch, jede Reaktion zu kontrollieren.

Angst verliert ihre Macht nicht, wenn sie verschwindet.
Sondern wenn das Nervensystem neu gelernt hat, dass es sicher ist.

Manchmal braucht dieser Lernprozess Zeit.
Und manchmal Begleitung.

Wissenschaftlicher Hintergrund und Studien

Neurobiologie von Angst, Furcht und Panik

LeDoux, J. E. (2000). Emotion circuits in the brain. Annual Review of Neuroscience, 23, 155–184.
Grundlagenarbeit zur Rolle der Amygdala bei der schnellen, automatischen Angstverarbeitung.

LeDoux, J. E., & Pine, D. S. (2016). Using neuroscience to help understand fear and anxiety. American Journal of Psychiatry, 173(11), 1083–1093.
Differenzierung zwischen Furcht (akute Bedrohung) und Angst (antizipatorische Bedrohung) auf neurobiologischer Ebene.

Mobbs, D., et al. (2009). From threat to fear: the neural organization of defensive fear systems. Journal of Neuroscience, 29(39), 12236–12243.
Neurale Netzwerke bei eskalierender Bedrohungswahrnehmung, relevant für Panik.

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Modelle

Clark, D. M. (1986). A cognitive approach to panic. Behaviour Research and Therapy, 24(4), 461–470.
Zentrales Modell der Panik: körperliche Empfindungen + katastrophische Interpretation = Eskalation.

Salkovskis, P. M. (1991). The importance of behaviour in the maintenance of anxiety. Behaviour Research and Therapy.
Einführung des Konzepts des Sicherheitsverhaltens als aufrechterhaltender Faktor.

Barlow, D. H. (2002). Anxiety and its disorders. Guilford Press.
Klassisches Werk zu Angst, Panik und der Angst vor der Angst aus CBT-Perspektive.

Angstsensitivität und Angst vor der Angst

Reiss, S., & McNally, R. J. (1985). Expectancy model of fear.
Grundlage des Konzepts der Angstsensitivität.

McNally, R. J. (2002). Anxiety sensitivity and panic disorder. Biological Psychiatry, 52(10), 938–946.
Zusammenhang zwischen Angstsensitivität, Körperwahrnehmung und Panik.

Exposition, interozeptive Exposition und Lernen

Boswell, J. F., et al. (2013). Anxiety sensitivity and interoceptive exposure. Journal of Anxiety Disorders, 27(6), 543–551.
Wirksamkeit interozeptiver Exposition bei körperbezogener Angst.

Craske, M. G., et al. (2014). Maximizing exposure therapy: An inhibitory learning approach. Behaviour Research and Therapy, 58, 10–23.
Moderne Lerntheorie: Angst nimmt ab durch neues Lernen, nicht durch reine Gewöhnung.

Bouton, M. E. (2004). Context and behavioral processes in extinction. Learning & Memory, 11(5), 485–494.
Neurobiologische Grundlagen des Extinktionslernens.

Stresssystem, HPA-Achse und Grundaktivierung

McEwen, B. S. (2007). Physiology and neurobiology of stress and adaptation. Physiological Reviews, 87(3), 873–904.
Stresshormone, Cortisol und ihre Wirkung auf emotionale Regulation.

Arnsten, A. F. T. (2009). Stress signalling pathways that impair prefrontal cortex structure and function. Nature Reviews Neuroscience, 10, 410–422.
Warum unter Stress kognitive Kontrolle abnimmt (präfrontaler Cortex „offline“).

Bewegung, Koffein und Angst

Jayakody, K., et al. (2014). Exercise for anxiety disorders: systematic review. Depression and Anxiety, 31(9), 733–744.
Systematische Übersichtsarbeit zur angstlösenden Wirkung von Bewegung.

Stonerock, G. L., et al. (2015). Exercise as treatment for anxiety. Current Sports Medicine Reports, 14(4), 261–268.

Liu, Y., et al. (2024). Caffeine intake and risk of anxiety. Frontiers in Psychiatry.
Meta-Analyse zum Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und Angstsymptomen.

Feedback

Nutzungsbedingungen

Nutzungsbedingungen für die Nutzung der Mindvise-Plattform zur psychologischen Online-Beratung

Datum der letzten Aktualisierung: 20.05.2025

1. Dienstleistungsbeschreibung
Mindvise stellt eine digitale Plattform bereit, die Mitarbeitenden von Unternehmen den Zugang zu psychologischer Online-Beratung durch qualifizierte, freiberuflich arbeitende Psycholog\:innen ermöglicht. Die Psycholog\:innen handeln eigenverantwortlich und bestimmen die Inhalte der Beratungen selbstständig.

2. Qualifikation der Berater\:innen
Alle auf der Plattform tätigen Berater\:innen verfügen mindestens über ein abgeschlossenes Psychologiestudium (Master of Science oder Diplom). Ihre Eignung wird vor Aufnahme der Tätigkeit von Mindvise geprüft.

3. Vertraulichkeit
Alle Inhalte der Beratungsgespräche unterliegen der Schweigepflicht. Eine Weitergabe personenbezogener Informationen an Dritte, insbesondere an den Arbeitgeber, erfolgt nicht – außer im Falle einer ausdrücklichen Einwilligung oder gesetzlichen Verpflichtung.

4. Haftungsausschluss
Die Nutzung der Plattform erfolgt freiwillig und eigenverantwortlich. Die psychologischen Beratungen ersetzen keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Mindvise übernimmt keine Haftung für direkte oder indirekte Folgen aus der Inanspruchnahme der Beratungsleistungen.

5. Verhaltenskodex
Ein respektvoller, professioneller Umgang wird vorausgesetzt. Diskriminierung, Beleidigungen oder grenzverletzendes Verhalten werden nicht toleriert. Die Berater\:innen sind berechtigt, Gespräche bei unangemessenem Verhalten abzubrechen.

6. Stornierungsbedingungen
Beratungstermine müssen mindestens 12 Stunden vor Beginn storniert werden. Bei späterer Absage können – abhängig von der Regelung des Arbeitgebers – bis zu 80 % der Gebühr als Aufwendungskosten geltend gemacht werden.

7. Einschränkungen der Nutzung
Die Nutzung ist nicht geeignet, wenn:

* Sie sich in einer akuten psychischen Krise oder Notlage befinden. Bitte wenden Sie sich in solchen Fällen an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) oder die Notrufnummer 112.
* Eine schwere psychische Erkrankung vorliegt, die eine kontinuierliche fachärztliche Betreuung erfordert.
* Sie minderjährig sind und keine Zustimmung Ihrer Erziehungsberechtigten vorliegt.

Wenn Sie sich aktuell in psychotherapeutischer Behandlung befinden, empfehlen wir eine Abstimmung mit Ihrer behandelnden Fachkraft, bevor Sie die Plattform nutzen.

8. Einwilligung in die Datenverarbeitung
Mit der Nutzung der Plattform stimmen Sie den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzerklärung zu. Sie willigen ein, dass Ihre freiwillig übermittelten Angaben zu psychischen Belastungen durch Mindvise verarbeitet werden dürfen (einschließlich Gesundheitsdaten gemäß Art. 9 DSGVO). Diese Einwilligung ist freiwillig und kann jederzeit widerrufen werden.

Bei Fragen oder Anliegen wenden Sie sich bitte an:
[kontakt@mindvise.de](mailto:kontakt@mindvise.de)

Datenschutzerklärung

1. Allgemeine Informationen zum Datenschutz

Vielen Dank, dass Sie unsere Dienste nutzen. Der Schutz Ihrer persönlichen Daten ist uns ein wichtiges Anliegen. Diese Datenschutzerklärung erläutert, wie wir personenbezogene Daten verarbeiten, wenn Sie unsere Dienste in Anspruch nehmen. Wir erheben nur die Daten, die zur Nutzung unserer Plattform notwendig sind, und geben diese nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weiter.

2. Verantwortlicher für die Datenverarbeitung

Verantwortlich im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Mindvise Pascal Seitz Lamprecht Str. 51 63739 Aschaffenburg, Deutschland Tel.: 01579-2526192 E-Mail: kontakt@mindvise.de Website: https://mental.mindvise.de

3. Erhebung und Nutzung personenbezogener Daten

Wir erheben nur die von Ihnen bereitgestellten Daten (Vorname, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Businesscode, Beratungsthema, zusätzliche übermittelte Informationen zum Beratungsanliegen), die bei der Buchung von Beratungsterminen übermittelt wurden. Diese Daten werden auf unserem Server für 30 Tage gespeichert und anschließend lokal für 12 Monate gesichert. Unsere freiberuflichen Berater:innen erhalten Ihre Daten, wenn ein Termin gebucht wird, und speichern diese ebenfalls lokal für maximal 12 Monate. Für Dienstleistungsvereinbarungen mit einer Begrenzung der monatlichen Beratungen pro Mitarbeitendem werden die Daten verwendet, um die Einhaltung der festgelegten Limits zu überwachen.

4. Buchung über Hotline

Alternativ zur Online-Buchung haben Sie die Möglichkeit, Termine über die oben angegebene Hotline zu buchen, um keine Daten über das Buchungssystem angeben zu müssen.

5. Freiwilligkeit der Nutzung

Die Nutzung der Beratungsangebote über die Plattform ist freiwillig. Es entstehen keine Nachteile, wenn Sie das Angebot nicht in Anspruch nehmen möchten.

6. Rechtsgrundlage der Verarbeitung

Die Verarbeitung Ihrer Daten erfolgt auf folgenden rechtlichen Grundlagen:
  • Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO): Ihre freiwillige Einwilligung bei der Bereitstellung der Daten zur Buchung von Terminen.
  • Erfüllung eines Vertrags (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO): Verarbeitung der Daten zur Bereitstellung unserer Dienstleistungen.
  • Wahrung berechtigter Interessen (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO): Die Datenverarbeitung erfolgt im Interesse eines reibungslosen Betriebs unserer Dienstleistungen, sofern keine schutzwürdigen Interessen der betroffenen Person überwiegen.

7. Verarbeitung besonderer Datenkategorien

Im Rahmen der Beratung können Angaben verarbeitet werden, die Rückschlüsse auf Ihre psychische Gesundheit zulassen (z. B. durch Freitextangaben zu Belastungen oder Anliegen). Diese Daten gelten als besondere Kategorien personenbezogener Daten im Sinne von Art. 9 DSGVO. Die Verarbeitung erfolgt ausschließlich mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung gemäß Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO. Diese Einwilligung ist freiwillig und kann jederzeit widerrufen werden.

8. Videokommunikation

Für Videokommunikation empfehlen wir die Nutzung von Jitsi Meet auf unserem Server unter https://meet.mindvise.de. Berater:innen können frei entscheiden, ob sie diesen Server nutzen oder eine alternative Plattform wählen, welche Ihnen im Vorfeld per E-Mail mitgeteilt wird. In diesem Fall gelten die Datenschutzbestimmungen des jeweils gewählten Anbieters. Möchten Sie keinen alternativen Anbieter als Videokommunikationswerkzeug nutzen, können Sie dies durch vorherige Mitteilung per E-Mail an den gewählten Berater kommunizieren. Bei der Nutzung der von Mindvise-gehosteten Jitsi-Meet-Instanz können personenbezogene Daten wie IP-Adressen erhoben werden. Diese Daten werden ausschließlich zur Ermöglichung der Kommunikation verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.

9. Mental Health Assistent (ChatGPT API)

Bei Nutzung des digitalen Mental Health Assistenten können Ihre freiwilligen Freitexteingaben zur Verarbeitung an die OpenAI API übermittelt werden. Die Verarbeitung erfolgt pseudonymisiert (ohne direkte Namens- oder Identitätszuordnung) und ausschließlich zur Bereitstellung der Assistenzfunktion. Die Übermittlung ist durch den Abschluss von Standardvertragsklauseln gemäß Art. 46 DSGVO sowie die Teilnahme von OpenAI am EU-U.S. Data Privacy Framework abgesichert.

10. Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)

Um den Schutz Ihrer Daten sicherzustellen, haben wir folgende Maßnahmen implementiert:
  • Zutrittskontrolle: Die Server werden von ISO-zertifizierten Anbietern (Netcup, Alfahosting) bereitgestellt.
  • Zugangskontrolle: Zugriff erfolgt nur durch passwortgeschützte Systeme mit strikten Passwortrichtlinien.
  • Verschlüsselung und Datensicherung: Alle Datenübertragungen sind SSL-verschlüsselt. Daten werden alle 30 Tage gelöscht und lokal gesichert.
  • Weitergabekontrolle: Verschlüsselte Kommunikationswege (E-Mail, SSL) werden genutzt.
  • Trennungskontrolle: Logische Trennung von Test- und Produktionsdaten.
  • Integritätskontrolle: Regelmäßige Backups und Versionskontrollen sichern die Datenintegrität.
  • Rollen- und Rechte-System: Administrativer Zugriff ist eingeschränkt; es erfolgt kein Zugriff auf personenbezogene Inhalte.

11. Rechte der betroffenen Personen

Sie haben das Recht, jederzeit Auskunft über die zu Ihrer Person gespeicherten Daten zu verlangen sowie die Berichtigung, Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung dieser Daten zu fordern. Darüber hinaus steht Ihnen das Recht auf Datenübertragbarkeit und Widerspruch zu. Sie können Ihre Einwilligung zur Verarbeitung personenbezogener Daten jederzeit widerrufen.

12. Recht auf Löschung („Recht auf Vergessenwerden“)

Sie haben das Recht, die Löschung Ihrer personenbezogenen Daten zu verlangen, wenn:
  • die Daten für den ursprünglichen Zweck nicht mehr erforderlich sind;
  • Sie Ihre Einwilligung widerrufen und keine andere Rechtsgrundlage zur Verarbeitung besteht;
  • Sie Widerspruch gegen die Verarbeitung einlegen und keine vorrangigen berechtigten Gründe vorliegen;
  • die Daten unrechtmäßig verarbeitet wurden;
  • die Löschung zur Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung erforderlich ist.

13. Recht auf Beschwerde bei der Aufsichtsbehörde

Sollten Sie der Ansicht sein, dass die Verarbeitung Ihrer Daten gegen die DSGVO verstößt, haben Sie das Recht, sich bei der zuständigen Datenschutzbehörde zu beschweren: Der Bayerische Landesbeauftragte für den Datenschutz Postfach 22 12 19, 80502 München E-Mail: poststelle@datenschutz-bayern.de

14. Dauer der Datenspeicherung

Personenbezogene Daten werden für maximal 30 Tage auf unserem Server gespeichert. Nach Ablauf dieses Zeitraums werden die Daten gelöscht und lokal gesichert. Freiberufliche Berater:innen speichern die Daten lokal für bis zu 12 Monate und löschen sie danach endgültig.

15. Datenübermittlung an Dritte und Drittstaaten

Wir geben personenbezogene Daten nicht ohne Ihre Einwilligung an Dritte weiter. Eine Übermittlung personenbezogener Daten in Drittländer erfolgt nur im Rahmen der Nutzung des Mental Health Assistenten. In diesem Fall ist die Übermittlung durch die Teilnahme von OpenAI am EU-U.S. Data Privacy Framework sowie durch Standardvertragsklauseln (SCCs) gemäß Art. 46 DSGVO abgesichert.

16. Cookies und ähnliche Technologien

Wir verwenden auf unserer Website ausschließlich technisch notwendige Cookies, um Ihnen eine optimale Nutzung unserer Dienste zu ermöglichen. Analytische oder Marketing-Cookies werden nicht eingesetzt.

17. Automatisierte Entscheidungsfindung einschließlich Profiling

Es findet keine automatisierte Entscheidungsfindung oder Profiling im Sinne von Art. 22 DSGVO statt.

18. Weiterverarbeitung für andere Zwecke

Eine Weiterverarbeitung der erhobenen personenbezogenen Daten für andere Zwecke ist nicht geplant. Sollte dies in Zukunft notwendig werden, werden Sie vor einer solchen Weiterverarbeitung entsprechend informiert.

19. Zeitpunkt der Bereitstellung der Informationen

Diese Informationen werden Ihnen spätestens zum Zeitpunkt der Datenerhebung und innerhalb eines Monats nach Erhebung der Daten bereitgestellt.

20. Anpassungen dieser Datenschutzerklärung

Wir behalten uns vor, diese Datenschutzerklärung bei Bedarf anzupassen, um rechtlichen Anforderungen zu entsprechen oder Änderungen unserer Dienstleistungen zu berücksichtigen.