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Vielleicht kennen Sie das: Eine Situation läuft nicht wie geplant, ein Fehler passiert – und sofort meldet sich die innere Stimme mit Sätzen wie:
- „Typisch ich – das habe ich wieder vermasselt.“
- „Ich kriege einfach nichts richtig hin.“
- „Warum bin ich nur so …?“
Solche Gedanken entstehen oft ganz automatisch, besonders in stressigen oder emotional aufgeladenen Momenten. Sie drücken Selbstzweifel, Scham oder den Wunsch nach Kontrolle aus – doch sie führen selten zu konstruktivem Verhalten. Im Gegenteil: Sie verengen den Blick, verstärken Ohnmachtsgefühle und halten alte Überzeugungen über sich selbst aufrecht.
Ein hilfreicher erster Schritt ist, genau hinzuhören: Wie spreche ich über mich – wenn etwas schiefläuft, wenn ich unsicher bin oder wenn ich mich jemand anderem gegenüber erkläre? Beschreibe ich dann eine konkrete Situation – oder bewerte ich meine ganze Person?
Ein Beispiel:
Aus „Ich bin einfach zu empfindlich“ kann werden:
„In dieser Situation war ich sehr berührt – vielleicht, weil mir das Thema besonders wichtig ist.“
Statt „Ich bin komplett überfordert“ könnte man sagen:
„Heute war es viel – ich merke, dass ich gerade Struktur brauche und eine Pause gut täte.“
Oder aus „Das war eine Katastrophe – typisch ich“:
„Das war wirklich schwierig, und ich bin damit gerade überfordert. Aber so etwas passiert – auch anderen. Ich schaue, was ich jetzt brauche.“
Entscheidend ist der Perspektivwechsel: Weg von pauschalen Selbstzuschreibungen, hin zu einer situativen, realistischen Beschreibung. Das entlastet emotional – und schafft Raum für Entwicklung.
Eine einfache Übung dabei ist:
Stellen Sie sich vor, eine geschätzte Kollegin oder ein guter Freund wäre in Ihrer Lage. Wie würden Sie über diese Person denken – und wie würden Sie mit ihr sprechen?
Wahrscheinlich würden Sie Verständnis zeigen, die Situation einordnen, Mut machen. Genau diese Haltung können Sie auch sich selbst gegenüber einnehmen.
Hilfreich ist es zudem, sich bewusst an eigene Stärken zu erinnern – gerade in schwierigen Momenten. Vielleicht haben Sie sich trotz Unsicherheit etwas zugetraut. Vielleicht haben Sie einen Fehler erkannt und Verantwortung übernommen. Solche Aspekte verdienen genauso Aufmerksamkeit wie das, was (vermeintlich) nicht gut lief.
Sich selbst mit klarem Blick und Mitgefühl zu begegnen heißt nicht, Verantwortung zu vermeiden – sondern sich als Mensch zu sehen, der lernen darf.
Jeder Mensch hat schwierige Momente. Aber wie wir innerlich darüber sprechen, entscheidet oft darüber, wie wir weitermachen. Und manchmal ist der erste Schritt schon ein neues Wort.